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Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen

Wenn das Verlangen außer Kontrolle gerät.

Wir alle erleben Abhängigkeiten und Süchte, denn der Konsum von Suchtmitteln gehört zu unserem gesellschaftlichen Leben. Jeder von uns genießt den Kaffee am Morgen, das Bierchen nach getaner Arbeit oder auch das Nasenspray bei der Erkältung und vielleicht darüber hinaus. Nicht jeder läuft dabei direkt Gefahr, abhängig zu werden und nicht jede Sucht muss behandelt werden. Viele Suchterkrankungen führen jedoch unbehandelt zu einer „Abwärtsspirale“, die immer tief in die Abhängigkeit bzw. in die Sucht hinein führt. Man kommt nicht mehr los, verlangt immer wieder und immer wieder mehr, das tägliche Leben passt sich immer mehr dem an, was die Sucht verlangt.

In erster Linie werden Suchterkrankungen durch den Konsum von Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen sowie Nikotin ausgelöst. Diese Substanzen wirken unmittelbar auf das zentrale Nervensystem und lösen dort Gewöhnungseffekte aus – das Gehirn verlangt nach mehr. Wenn der Konsum weitgehend außer Kontrolle gerät, spricht man von Abhängigkeit. Auch problematische Verhaltensweisen, wie z. B. das Glücksspiel oder die Internetnutzung können süchtig machen. In diesen Fällen spricht man von Verhaltenssüchten.

Sucht ist eine psychische und physische Abhängigkeit. Dabei spielt das Belohnungszentrum des Gehirns eine wichtige Rolle. Dort lösen die Suchtmittel die Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen aus, die uns glücklich machen. Passiert dies dauerhaft, tritt eine Gewöhnung ein, das hormonelle Gleichgewicht verschiebt sich, die Stimmung sinkt und das Verlangen nach weiteren positiven Gefühlen steigt. Die Spirale zu mehr Konsum setzt sich fort, die Konsumgewohnheiten entgleisen in die Sucht.

Je früher eine Abhängigkeit erkannt wird, desto größer sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie und die Rückkehr in ein normales Leben.

Der Übergang zwischen kritischem Konsum, dem Missbrauch, über die Gewöhnung bis hin zur Sucht ist fließend. Während starke Drogen schnell abhängig machen, entwickeln sich die meisten Abhängigkeiten schleichend. Ab wann aus übermäßigen Gebrauch die Sucht wird, ist daher häufig nicht bestimmbar.

Anzeichen für eine eingetretene Abhängigkeit können sein:

  • Der starke Wunsch bzw. der Zwang zu konsumieren
  • Man schafft es nicht mehr, kontrolliert den Konsum zu beenden oder zu reduzieren
  • Bei dem Versuch der Beendigung oder Reduzierung des Konsums treten körperliche Entzugssymptome auf
  • Die Dosis muss sich stetig erhöhen, um die gleiche Wirkung zu erreichen
  • Das Interesse an allem sinkt, Hobbys usw. werden vernachlässigt, das Leben wird immer mehr auf den regelmäßigen Konsum der Suchtmittel ausgerichtet
  • Man konsumiert weiter, obwohl man um schädliche Folgen weiß oder sie bereits spürt

Um abhängig zu sein, müssen nicht alle Symptome gemeinsam auftreten. Bei einer Sucht führt der Substanzkonsum zu immer stärker werdenden körperlichen, psychischen oder sozialen Problemen. Ein hoher Leidensdruck für den Betroffenen und auch sein Umfeld entsteht.

Sucht ist eine Krankheit, die auf einem jahrtausendealten Verhaltensprogramm unseres Gehirns beruht, bei dem Gewohnheiten eine Signatur hinterlassen, sie verstärkt sich im Laufe der Zeit und mündet schließlich in ein Suchtgedächtnis. Daher kann jeder Mensch potenziell an einer Abhängigkeit erkranken.

Es gibt vielfältige und individuell unterschiedliche Auslöser für Suchterkrankungen. Hierbei spielen eine biologische Veranlagung, sogenannte Risikogene, die die Wirkung im Körper beeinflussen, aber auch das das soziale Umfeld, das Lernverhalten im Umgang mit Suchtmitteln oder ein Umfeld, in dem Suchmittel leicht zu beschaffen und zu konsumieren sind, eine große Rolle. Auslösende Faktoren können auch belastende bzw. einschneidende Lebensereignisse sein, körperliche und psychische Erkrankungen kommen hinzu, aber auch soziale Faktoren wie Einsamkeit oder Arbeitslosigkeit können das Risiko für das Abrutschen in eine Sucht erhöhen.

Die Suchttherapie ist ein Prozess, der mit dem Wunsch zur Abstinenz beginnt. So wie jeder Mensch verschieden ist, so verläuft auch jede Therapie anders. Wichtig ist es, die Sucht als Krankheit zu akzeptieren.

Der erste Schritt ist die Diagnose. Holen Sie sich bei Ihrer Hauspraxis, einer Suchtberatungsstelle oder auch in unserer Suchtambulanz (Kontaktaufnahme s. u.) die Einschätzung, ob es sich bei Ihrem gesteigerten Substanzkonsum bereits um eine Abhängigkeit handelt. Dort ist immer die richtige Anlaufstelle: wenn Sie nicht wissen, wo Sie mit Ihrem Konsum stehen, wenn Sie sich entschieden haben, abstinent werden zu wollen oder auch, wenn es sich um einen akuten Sucht-Notfall handelt.

Der Ausstieg aus einer Sucht ist ein langer Weg, auf dem wir Sie als Spezialklink mit unserer gesamten Erfahung und Kompetenz begleiten. Bei allen Süchten mit körperlichen Entzugserscheinungen beginnt die stationäre Suchttherapie mit der Entgiftung. Gerade bei längerfristigem Suchtmittelkonsum in höherer Dosierung führen wir Sie mit unserem Spezialistenteam aus Fachärzten, Therapeuten und Pflegern während des Entzuges durch diese Zeit und reduzieren mögliche Entzugssymptome (z. B. Krampfanfälle, Delirien) gezielt, ggf. mit medikamentöser Unterstützung. Im Rahmen der erfolgreichen Entgiftung bieten wir Ihnen in unserer Klinik die qualifizierte Entzugsbehandlung (QE). In dieser Phase des qualifizierten Entzugs unterstützt Sie unser hervorragend ausgebildetes und erfahrenes Team mit detaillierten Informationen über Symptome, Ursachen, Verlauf und differenzierte Behandlungs- und Nachsorgemöglichkeiten Ihrer Suchterkrankung. Mit individueller psychotherapeutischer Unterstützung wollen wir Sie befähigen, Ihr Konsumverhalten realistisch und selbstkritisch einzuschätzen, erste Veränderungsschritte einzuleiten und weiterführende suchtspezifische Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

Nach der stationären Behandlung bestehen nächste mögliche Schritte für Sie in dem Besuch einer Selbsthilfegruppe und in der Nutzung von Therapieangeboten der Suchtberatungsstellen.

Im weiteren Therapieverlauf – zur intensiven Auseinandersetzung und verbesserten Abstinenzsicherung – bieten sich längerfristig angelegte Rehabilitationsbehandlungen, sogenannte Entwöhnungstherapien oder Langzeitbehandlungen, die je nach individueller Notwendigkeit ambulant, teilstationär oder auch vollstationär in speziellen Ambulanzen oder Suchtfachkliniken durchgeführt werden. Dort lernen Sie, Ihre seelische Abhängigkeit in den Griff zu bekommen, das Leben neu zu strukturieren und mit Ihrer Suchtkrankheit zu gestalten.

Die Evangelische Stiftung Tannenhof hat sich auf den qualifizierten Entzug (QE) von Alkohol, Medikamenten und illegalen Drogen spezialisiert. Für Patienten mit einer Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit bieten wir im Anschluss daran die langfristige Rehabilitation als vollstationäre Entwöhnungsbehandlung und begleiten Sie in ein neues Leben mit Ihrem Suchthintergrund, befreit von den Zwängen der Abhängigkeit.

Für die Behandlung von Verhaltenssüchten stehen darauf spezialisierte Ambulanzen und Fachkliniken zur Verfügung.

Ihr Kontakt zu uns

Aufnahme
Hier finden Sie die Möglichkeiten der Aufnahme bei uns.

Kontaktaufnahme
Telefon 02191 12-0
E-Mail ​​info@stiftung-tannenhof.de

Unsere Spezialisten

Qualifizierte Entzugsbehandlung von Alkohol, Medikamenten und illegalen Drogen:

Dr. Jörg Hilger

Stellvertretender ärztlicher Direktor und leitender Arzt der Abteilung Psychiatrie 2

Alkohol- und Medikamentenentwöhnung:

Frau Anne-Kathrin Ender

Leitende Ärztin Rehabilitationsbereich der Psychiatrischen Fachklinik Langenberg

Mögliche Standorte der Behandlung

Abhängig von der Diagnose bieten wir Therapien an verschiedenen Standorten an