der Evangelischen Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof, Lüttringhausen
Die bereits seit 1912 bestehende Kirchengemeinde der Stiftung Tannenhof
wurde im Jahr 1988 nach dem Kirchen-gesetz über den diakonischen
Dienst in eine Gemeinde mit presbyterialer Leitung umgewandelt. Vertragliche
Grund-lage dafür ist eine Vereinbarung zwischen der Evangelischen
Stiftung Tannenhof und der Kirchengemeinde. Sie heißt „Evangelische
Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof, Lüttringhausen“
und gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Lennep.
Zur Kirchengemeinde zählen alle Evangelischen, soweit sie in tannenhofeigenen
Wohnungen oder Häusern leben. Dazu kommen die Gemeindeglieder,
die auf Antrag hin Mitglied geworden sind. Obwohl die Gemeinde klein
von Mitgliederzahl ist (z.Zt. gehören ihr ca. 300 Personen an),
ist ihr Aufgabenbereich groß: sie verantwortet kirchliches Leben
und besonders die Seelsorge im Bereich der ganzen Evangelischen Stiftung
Tannenhof. Deshalb wird sie finanziell von allen Gemeinden des Evangelischen
Kirchenkreises Lennep durch den „innersynodalen Finanzaus-gleich“
gefördert und durch die Evangelische Stiftung Tannenhof unterstützt.
1. Seelsorge
1.1 Die Seelsorge in der Stiftung Tannenhof wurde von Anfang an als
wesentliche Aufgabe der Einrichtung angesehen. Der Kirchengemeinde ist
die Verantwortung für die Seelsorge übertragen worden.
1.2 Seelsorge ist der Versuch, das Leben im Lichte des Glaubens sehen
zu lernen. Dabei geht Seelsorge von den Erfahrungen des Gegenübers
aus. Seelsorge ist eine in der Nachfolge Jesu und im Auftrag der Ge-meinde
hergestellte Beziehung. Sie beginnt in der Regel mit dem Eintritt in
den institutionellen Rahmen und sie endet, wenn er verlassen wird.
1.3 Seelsorge ist theologisch auskunftsfähig. Sie macht die diakonische
Seite des Auftrags der Evangelischen Stiftung Tannenhof sichtbar und
ist fest in den Alltag der Klinik verankert.
1.4 Seelsorge gibt keine Anweisungen. Sie kann hörend und mitfragend
einen kommunikativen Prozess eröff-nen.
1.5 Seelsorge verzichtet auf die Vorstellung, Leben sei frei von Leiden.
Sie vermag, Leiden auszuhalten und kann gemeinsame Klage ermöglichen.
Sie versteht zu trösten und leitet zu einem neuen Verständnis
der Lebenswirklichkeit durch Gottes- und Selbsterkenntnis an.
1.6 In Ritualen des Glaubenslebens (Gebet, Segnung, Gottesdienst, Abendmahlfeier,
Salbung) wird dieser Weg unterstützt und erfahrbar.
1.7 Seelsorge geschieht unter der Verheißung des Evangeliums:
Gott ist dem Menschen in seinem Leid beson-ders nah, so dass er sich
mit ihm identifiziert. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen
Geringsten, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40)
1.8 Die evangelischen und katholischen Seelsorger arbeiten zusammen.
Die evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger sind für den gesamten
Bereich der Evangelischen Stiftung Tannenhof zuständig, die katho-lischen
Seelsorger wenden sich insbesondere den katholischen Patientinnen und
Patienten zu.
1.9 Die Seelsorger haben freien Zugang zu allen Stationen und Patienten.
Sie bauen verlässliche Beziehungen auf, besonders zu den Bewohnerinnen
und Bewohnern der Langzeit-Rehabilitation. Sie sind auch für Ange-hörige
ansprechbar.
1.10 Die Seelsorgerinnen und Seelsorger sind auf eine vertrauensvolle
Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitenden bedacht. Sie sind außerdem
in ihrer Funktion auch von Mitarbeitenden ansprechbar.
1.11 Seelsorgerinnen und Seelsorger fördern das Nachdenken zu ethischen
Fragen.
1.12 Krankheit ist keine besondere missionarische Ge legenheit; auch
Sekten und esoterische Gruppen dürfen deshalb nicht missionieren.
Daher ist auch der Kontakt dieser Gruppierungen durch die Klinik auf
deren Mit-glieder begrenzt. Seelsorge ist hierbei für den therapeutischen
Bereich beratend tätig.
2. Gottesdienste
Die Gottesdienste sind vom Miteinander von „Kranken“ und
„Gesunden“ geprägt.
Eine Gottesdienstordnung strukturiert den Verlauf des Gottesdienstes
und signalisiert Beständigkeit und Vertrauen in die Kontinuität
der Verkündigung. Sie ermöglicht Veränderungen, die Beteiligung
von Einzelnen und Gruppen ist erwünscht.
Gottesdienste und andere Veranstaltungen aus der Kirche werden übertragen.
2.1 Arten der Gottesdienste
o Sonntägliche Gottesdienste und Wochenschlussgottesdienste (Vespern)
o Gottesdienste mit Abendmahl (2 x im Monat) und zu Feier- bzw. 1. Festtagen.
o Taufen
o Trauergottesdienste
o Gottesdienste zu Hochzeiten und Ehejubiläen
o Kindergottesdienste und Gottesdienste mit der Kindertagesstätte
der Stiftung Tannenhof
o Konfirmationen
o Passionsandachten
o Segnungs- und Salbungsgottesdienste
o Jahresschluss-Gottesdienst mit Erinnerung an persönlich bedeutende
Daten einzelner Gemeindeglieder
o Gottesdienste der Diakonischen Gemeinschaft der Stiftung Tannenhof
Gottesdienste zur Einsegnung von Diakoninnen und Diakonen
o Gottesdienste mit Verleihung der Kronenkreuze der Diakonie
o Ökumenische Gottesdienste am Buß- und Bettag und zu besonderen
Anlässen
o Andachten für Mitarbeitende
o Andachten mit den Schulen der Stiftung Tannenhof
o Andachten zum Arbeitsbeginn von Mitarbeitenden
Katholische Messfeiern und Wortgottesdienste werden von den katholischen
Seelsorgern gehalten
2.2 Offene Kirche
Die Kirche der Stiftung Tannenhof ist täglich geöffnet zur
Entspannung und Meditation, zum Gebet und zum Mitein-ander-in-Abgeschiedenheit-Reden.
Gebete und Gedanken können in ein Buch eingetragen werden. Sie
werden in Gottesdiensten fürbittend aufgenommen. Nach den Gottesdiensten
wird in der Regel einmal im Monat ein „Kirchen-kaffee“ angeboten.
2.3 Mitarbeit in der Raumgestaltung der Kirche
Die Gemeinde beteiligt sich durch Beratung und Mitfinanzierung an der
Ausgestaltung des Kirchenraumes.
3. Diakonie
Die Kirchengemeinde ist in ihrer ganzen Arbeit auf die Evangelische
Stiftung Tannenhof mit ihrer diakonischen Tä-tigkeit ausgerichtet
und fördert das evangelische Profil der Einrichtung.
4. Musik
4.1 Singen und Musizieren im Gottesdienst
Das Singen der Choräle im Gottesdienst beachtet die Variationsbreite
des Evangelischen Gesangbuchs: Orientie-rung am Kirchenjahr, Einfügen
von Singsprüchen, Kanonsingen, mehrstimmiges Singen. Instrumentalsolisten
und Chöre aus der Umgebung werden in den Gottesdienst eingeladen.
4.2 Konzerte
Konzerte bieten ein gleichberechtigtes Forum für „Kranke“
und „Gesunde“ im gemeinsamen Hörerlebnis. Sie sollen
den sensiblen Hörerwartungen Rechnung tragen.
5. Pädagogische Arbeit
5.1 Konfirmandenunterricht
Die in der Regel 12 bis 14-jährigen Jugendlichen werden nach den
Regeln des „lebendigen Lernens“ unterrichtet. Die Gemeinde
möchte sie in ihrer wichtigen und kritischen Entwicklungszeit begleiten.
5.2 Religionspädagogische Arbeit in der Kindertagesstätte
Die Kirchengemeinde unterstützt die religionspädagogische
Arbeit in der Kindertagesstätte und ist an der Weiterent-wicklung
des religionspädagogischen Konzepts beteiligt. In Abständen
werden für und mit Kindern, Eltern und Erzie-herinnen Gottesdienste
vorbereitet und durchgeführt.
5.3 Erwachsenenbildung
Für die älteren Gemeindeglieder findet wöchentlich der
„Feierabendkreis“ im Helene-Härtel-Buchmann-Haus statt.
Die Frauenhilfe hat eine eigene Tradition mit monatlichen Treffen und
Konzentration auf Projektarbeit.
Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen finden in Kooperation mit
den Lüttringhauser Ortsgemeinden bzw. der Ökumenischen Initiative
Lüttringhausen e.V. statt.
5.4 Unterricht in den Fachschulen der Evangelischen Stiftung
Tannenhof
Zusätzlich zu ihrer üblichen Arbeit beteiligen sich die Seelsorgerinnen
und Seelsorger nach Bedarf am Unterricht in den Schulen der Evangelischen
Stiftung Tannenhof.
6. Ökumene
6.1 Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden in Lüttringhausen
und im Kirchenkreis Lennep
Die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen
und der Katholischen Pfarrgemeinde Heilig Kreuz wird gesucht. An der
Arbeitsgemeinschaft Ökumene und Weltmission und an der Arbeitsgemeinschaft
christlicher Kirchen (ACK) in Remscheid beteiligt sich die Kirchengemeinde.
6.2 Mitgliedschaft in der Ökumenischen Initiative Lüttringhausen
e.V.
Die Kirchengemeinde ist Mitglied der Ökumenischen Initiative Lüttringhausen
e.V. in Beachtung des Sozialworts der EKD und Deutschen Bischofskonferenz.
Sie fördert deren Arbeit, für Völkerverständigung
einzutreten und unterstützt das Vorhaben, einen Laden mit Eine-Welt-Waren,
Buchhandlung und Begegnungsstätte zu führen.
7. Öffentlichkeitsarbeit
Die Kirchengemeinde wirbt für ihre Gottesdienste und Veranstaltungen.
Sie gibt einen Gemeindebrief heraus, hat einen eigenen Schaukasten und
wirbt im Gemeindehaus. Mit der örtlichen Presse, den Radio- und
Fernsehstationen werden Kontakte gepflegt. Die Adresse des elektronischen
Briefportals lautet: kirchengemeinde@stiftung-tannenhof.de. Die Darstellung
ihrer Arbeit und Veranstaltungshinweise erfolgen auch über die
Homepage der Evan-gelischen Stiftung Tannenhof: www.stiftung-tannenhof.de.
8. Verwaltung
Im Gemeindehaus (Brüderhaus) unterhält die Kirchengemeinde
ein Gemeindebüro, um die Verwaltungsarbeit zu leisten und um eine
Anlaufstelle für Gemeindeglieder, ehrenamtlich Mitarbeitende, Patientinnen
und Patienten sowie Mitarbeitende der Evangelischen Stiftung Tannenhof
anzubieten.
9. Die Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer
Für die pfarramtliche Arbeit stehen 1 ½ Pfarrstellen zur
Verfügung.
Die 1. Pfarrstelle ist mit der Funktion des Geistlichen Vorstehers
in der Evangelischen Stiftung Tannenhof verbunden (50%). Der Seelsorgebezirk
des Geistlichen Vorstehers schließt außer den Stationen
und Wohnbereichen auch die Seelsorge an den Bewohnerinnen und Bewohnern
des HHB-Hauses sowie an den Mitgliedern der Diakonischen Gemeinschaft
und ihrer Angehörigen ein.
Der Seelsorgebezirk des anderen Pfarrers schließt außer
den Stationen und Wohnbereichen alle anderen Gemein-deglieder ein.
Zur seelsorglichen Arbeit gehören die Amtshandlungen. Alle Gemeindeglieder
erhalten einen schriftlichen Ge-burtstagsgruß, Neuzugezogene werden
willkommen geheißen, Kranke werden nach Möglichkeit besucht.
Zu
„runden Geburtstagen“ und vom 70. Lebensjahr an jährlich
wird durch einen Besuch gratuliert.
Zur Intensivierung der seelsorglichen Arbeit sind weitere Theologinnen
und Theologen erwünscht, besonders wenn die Mitarbeit der beiden
Pfarrer im Kirchenkreis gewünscht ist.
Büros stehen für die Pfarrer in den Räumen der Stiftung
Tannenhof zur Verfügung. Deshalb besteht keine Notwen-digkeit,
dass die Pfarrerinnen und Pfarrer in unmittelbarer Nähe der psychiatrischen
Klinik wohnen müssen.
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